Chronische Schmerzen können das ganze Leben verändern. Sie beeinflussen den Schlaf, die Beweglichkeit, die Stimmung und oft auch die Beziehungen zu anderen Menschen.
Manchmal haben Betroffene bereits viele Untersuchungen und Behandlungen hinter sich. Sie wissen, was medizinisch festgestellt wurde, und trotzdem bleiben die Schmerzen.
Schmerz ist real. Auch dann, wenn sich seine Intensität nicht durch einen körperlichen Befund erklären lässt.
In meiner therapeutischen Arbeit beschäftige ich mich damit, wie das Nervensystem, Gefühle, Erfahrungen und körperliche Reaktionen am Schmerzgeschehen beteiligt sein können – und wie Hypnose dabei helfen kann, den Umgang mit Schmerzen zu verändern.
Chronische Schmerzen verstehen
Akuter Schmerz hat eine wichtige Warnfunktion. Er macht uns auf eine Verletzung oder Erkrankung aufmerksam.
Bei chronischen Schmerzen ist die Situation anders.
Schmerzen bleiben hier bestehen, obwohl die ursprüngliche Verletzung längst verheilt ist. Manchmal entwickelt sich auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Nervensystems, sodass Reize stärker als schmerzhaft wahrgenommen werden.
Chronische Schmerzen können aber auch mit einer weiterhin bestehenden körperlichen Erkrankung verbunden sein.
Von chronischen Schmerzen spricht man in der Regel, wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen oder wiederkehren.
Schmerz ist nicht nur ein Signal aus dem Körper. Er entsteht durch die Verarbeitung vieler Informationen im Nervensystem.
Dazu gehören körperliche Vorgänge ebenso wie Aufmerksamkeit, Erwartungen, Gefühle, frühere Erfahrungen und die aktuelle Lebenssituation.
Das bedeutet nicht, dass Schmerzen eingebildet sind. Es bedeutet, dass Schmerz ein komplexes Geschehen ist, das sich auf unterschiedlichen Ebenen beeinflussen lässt.
Im Unterschied zu akuten Schmerzen sind chronische Schmerzen (Chronisches Schmerzsyndrom) kein sinnvolles Alarmsignal mehr, das auf eine Schädigung des Körpers (Verletzung, Erkrankung etc.) hindeutet.
Stattdessen stellen sie eine eigenständige Schmerzkrankheit dar, die oft keine klar erkennbare Ursache mehr hat.
Chronische Schmerzen werden oft von weiteren Beschwerden begleitet, wie zum Beispiel mit Schlafstörungen, Appetitmangel, gesteigerter Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen. Zudem können sie starke Einschränkungen im Alltag, Beruf und Freizeitleben bedeuten.
Hypnosetherapie bei chronischen Schmerzen
Die Beeinflussung von Schmerzen gehört zu den ältesten Anwendungsgebieten der Hypnose.
Heute gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Hypnose bei bestimmten Schmerzformen die Schmerzintensität und die damit verbundene Belastung verringern kann.
Hypnose kann beispielsweise dabei helfen, die Aufmerksamkeit anders auszurichten, die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen zu verändern und belastende Reaktionen auf Schmerzen zu beeinflussen.
Ich arbeite dabei nicht ausschließlich mit klassischer Hypnose, bei der Sie mit geschlossenen Augen in einem Sessel sitzen.
Auch während eines Gesprächs können hypnotische Prozesse stattfinden.
Mich interessiert nicht nur, wie stark ein Schmerz ist, sondern auch, was geschieht, wenn er auftritt.
Welche Gefühle entstehen? Welche Gedanken? Wie reagiert der Körper? Was verändert sich in der Atmung, der Muskelspannung oder im Verhalten?
Manchmal entdecken wir dabei Zusammenhänge, die vorher kaum bewusst waren.
Wenn Gefühle und Anspannung den Schmerz verstärken
Wer über längere Zeit Schmerzen hat, entwickelt verständlicherweise Reaktionen darauf.
Vielleicht beobachten Sie Ihren Körper ständig. Vielleicht vermeiden Sie bestimmte Bewegungen aus Angst, die Schmerzen könnten stärker werden. Oder Sie versuchen, trotz Schmerzen einfach weiterzufunktionieren.
Auch Ärger, Hilflosigkeit, Erschöpfung und die Sorge, dass es niemals besser wird, können hinzukommen.
Diese Reaktionen sind nachvollziehbar. Sie können jedoch dazu beitragen, dass das Nervensystem zunehmend in Alarmbereitschaft bleibt.
Umgekehrt können anhaltender Stress, innere Anspannung und belastende Gefühle die Schmerzwahrnehmung verstärken.
Dabei geht es nicht darum, psychische Ursachen für jeden Schmerz zu suchen.
Es geht darum, zu erkennen, welche Faktoren bei Ihnen persönlich eine Rolle spielen und wo Veränderung möglich ist.
Der Teufelskreis chronischer Schmerzen
Wer über längere Zeit Schmerzen hat, beginnt verständlicherweise, auf seinen Körper zu achten.
Was löst den Schmerz aus? Welche Bewegung könnte ihn verstärken? Wird es heute wieder schlimmer? Und was ist, wenn die Schmerzen niemals aufhören?
Diese Aufmerksamkeit ist zunächst ein Versuch, sich zu schützen.
Doch je mehr wir auf den Schmerz achten, desto stärker kann er in den Mittelpunkt unserer Wahrnehmung rücken.
Schmerz erzeugt Anspannung – und Anspannung kann Schmerz verstärken
Schmerzen lösen häufig eine körperliche Schutzreaktion aus. Die Muskulatur spannt sich an, die Atmung verändert sich, der Körper wird vorsichtiger.
Gleichzeitig können Angst, Ärger, Hilflosigkeit oder Erschöpfung entstehen.
Diese Gefühle sind verständliche Reaktionen auf eine belastende Situation. Sie können jedoch die innere Alarmbereitschaft weiter erhöhen.
Ein angespanntes Nervensystem kann empfindlicher auf Schmerzreize reagieren. Der Schmerz wird möglicherweise intensiver wahrgenommen.
Und damit beginnt der Kreislauf von Neuem.
Schmerz führt zu Anspannung. Anspannung kann den Schmerz verstärken. Mehr Schmerz erzeugt neue Angst, Aufmerksamkeit und Anspannung.

Abbildung zum Teufelskreis chronischer Schmerzen von Nobis/Lechner einfügen.
Wenn die Angst vor dem Schmerz das Leben bestimmt
Viele Menschen beginnen, bestimmte Bewegungen oder Tätigkeiten zu vermeiden, weil sie befürchten, dass die Schmerzen dadurch stärker werden.
Das kann bei manchen Erkrankungen zunächst notwendig und sinnvoll sein.
Wenn die Vermeidung jedoch über längere Zeit bestehen bleibt, kann sie selbst zum Problem werden.
Beweglichkeit und Muskelkraft können abnehmen. Der Körper wird weniger belastbar. Und das Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten geht zunehmend verloren.
Andere Menschen reagieren genau entgegengesetzt.
Sie versuchen, die Schmerzen zu ignorieren, gehen immer wieder über ihre Belastungsgrenzen hinaus und erlauben sich kaum Erholung.
Auch dieses ständige Durchhalten kann Beschwerden verstärken.
Sowohl Vermeidung als auch Überforderung können dazu beitragen, dass sich der Teufelskreis fortsetzt.
Wenn das Nervensystem immer empfindlicher wird
Unser Nervensystem ist lernfähig. Das ist eine seiner wichtigsten Eigenschaften.
Bei länger anhaltenden Schmerzen können sich die Prozesse verändern, durch die Schmerzsignale verarbeitet werden. Das Nervensystem kann empfindlicher werden und auf Reize stärker reagieren als zuvor.
Man spricht dabei unter anderem von Sensibilisierung.
Das bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Im Gegenteil: Die veränderte Schmerzverarbeitung ist ein körperlicher Vorgang.
Allerdings ist nicht jeder chronische Schmerz durch eine solche Sensibilisierung zu erklären. Häufig wirken verschiedene Mechanismen zusammen.
Wie lässt sich dieser Teufelskreis unterbrechen?
Nicht dadurch, dass Sie sich einfach sagen, Sie sollten weniger Angst haben oder sich entspannen.
Denn viele dieser Reaktionen laufen automatisch ab.
Hier kann Hypnose ein hilfreicher Zugang sein.
Wir können daran arbeiten, die Aufmerksamkeit anders auszurichten, körperliche Anspannung wahrzunehmen und zu beeinflussen und die Angst vor dem Schmerz zu verringern.
Manchmal geht es auch darum, alte Gewohnheiten zu erkennen: immer durchzuhalten, keine Schwäche zu zeigen oder die eigenen Grenzen erst dann wahrzunehmen, wenn der Körper nicht mehr mitmacht.
Es geht nicht darum, den Schmerz zu ignorieren. Es geht darum, die Reaktionen zu verändern, die ihn möglicherweise zusätzlich verstärken.
Und manchmal beginnt genau dort eine Veränderung: wenn der Schmerz nicht mehr jede Bewegung, jeden Gedanken und jede Entscheidung bestimmen muss.
Wenn das Nervensystem nicht mehr zur Ruhe kommt
Menschen, die über lange Zeit unter Schmerzen leiden, berichten häufig, dass sie sich kaum noch entspannen können.
Der Körper scheint ständig auf der Hut zu sein.
Manchmal besteht diese innere Alarmbereitschaft schon sehr viel länger als der Schmerz selbst.
Vielleicht haben Sie früh gelernt, durchzuhalten, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen oder Gefühle nicht zu zeigen.
Solche Schutz- und Anpassungsstrategien können über viele Jahre hilfreich gewesen sein. Gleichzeitig können sie mit einer anhaltenden körperlichen Anspannung verbunden sein.
In meiner Arbeit interessiert mich deshalb auch die Frage, wie ein Mensch gelernt hat, mit Belastungen umzugehen.
Nicht, weil jede Schmerzerkrankung auf frühe Erfahrungen zurückzuführen wäre.
Sondern weil die Art, wie wir auf Stress, Angst und Hilflosigkeit reagieren, Einfluss darauf haben kann, wie wir Schmerzen erleben und bewältigen.
Wenn seelischer Schmerz körperlich spürbar wird
Wir sprechen davon, dass uns etwas das Herz bricht, dass uns eine Erfahrung den Boden unter den Füßen wegzieht oder dass uns etwas auf den Magen schlägt.
Diese Ausdrücke sind nicht zufällig entstanden.
Seelischer Schmerz ist nicht nur ein Gedanke. Trauer, Zurückweisung, Einsamkeit, Angst oder Hilflosigkeit können mit intensiven körperlichen Empfindungen verbunden sein.
Vielleicht kennen Sie das Gefühl von Enge in der Brust, einen Kloß im Hals, Druck im Magen oder eine Anspannung, die einfach nicht nachlassen will.
Unser Gehirn verarbeitet körperliche und emotionale Erfahrungen nicht völlig unabhängig voneinander. Dabei sind teilweise dieselben Netzwerke beteiligt, etwa solche, die für die Bewertung von Bedrohung und Belastung wichtig sind.
Das Broken-Heart-Syndrom – wenn das Herz auf seelischen Stress reagiert
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung zwischen seelischer Belastung und körperlichen Vorgängen ist das sogenannte Broken-Heart-Syndrom, medizinisch Takotsubo-Syndrom.
Dabei kommt es zu einer plötzlich auftretenden Funktionsstörung des Herzmuskels. Die Beschwerden können denen eines Herzinfarkts ähneln.
Auslöser können starke emotionale Belastungen sein, beispielsweise der Verlust eines geliebten Menschen, eine Trennung oder ein anderes erschütterndes Ereignis. Auch körperliche Belastungen können das Syndrom auslösen.
Das Broken-Heart-Syndrom ist eine ernst zu nehmende Herzerkrankung und keine bloß eingebildete Reaktion auf Gefühle.
Es zeigt, wie eng unsere emotionalen Erfahrungen und körperlichen Stressreaktionen miteinander verbunden sein können.
Was bedeutet das für chronische Schmerzen?
Natürlich entwickelt nicht jeder Mensch durch seelische Belastungen eine körperliche Erkrankung. Und nicht jeder chronische Schmerz hat eine emotionale Ursache.
Aber Gefühle können beeinflussen, wie unser Nervensystem arbeitet, wie angespannt unsere Muskulatur ist und wie wir Schmerzen wahrnehmen.
Manchmal tragen Menschen über viele Jahre Gefühle mit sich, für die früher kein Platz war.
Vielleicht mussten sie funktionieren, stark sein oder ihre Bedürfnisse zurückstellen. Vielleicht haben sie gelernt, Angst, Wut oder Traurigkeit nicht zu zeigen.
Solche Erfahrungen müssen nicht die Ursache eines Schmerzes sein. Sie können aber mit anhaltender Anspannung und Stressreaktionen verbunden sein, die das Schmerzgeschehen beeinflussen.
Deshalb interessiert mich in meiner therapeutischen Arbeit nicht nur, wo ein Mensch Schmerzen hat, sondern auch, was er erlebt hat, was ihn belastet und wie sein Körper darauf reagiert.
Nicht, um hinter jedem körperlichen Symptom eine seelische Ursache zu suchen.
Sondern weil körperlicher und seelischer Schmerz zum Erleben eines Menschen gehören und beide Aufmerksamkeit verdienen.
Wie ich mit chronischen Schmerzen arbeite
Meine Arbeit richtet sich nach Ihrem Anliegen und Ihrer persönlichen Situation.
Ich verbinde Hypnose mit Achtsamkeit, körperorientierten Verfahren und – wenn es sinnvoll ist – der Arbeit mit inneren Anteilen.
Dabei können unterschiedliche Schwerpunkte entstehen.
Die Schmerzwahrnehmung beeinflussen
Mit hypnotischen Verfahren können wir daran arbeiten, wie Sie Schmerzen wahrnehmen und wie stark Ihre Aufmerksamkeit durch sie gebunden wird.
Anspannung und innere Alarmbereitschaft erkennen
Wir beschäftigen uns mit körperlichen Reaktionen, die den Schmerz möglicherweise verstärken, und üben, anders darauf zu reagieren.
Angst und belastende Gefühle bearbeiten
Schmerzen können Angst, Wut, Traurigkeit und Hilflosigkeit auslösen. Auch diese Gefühle brauchen Raum und können Teil unserer therapeutischen Arbeit sein.
Alte Schutzstrategien verstehen
Wenn Sie gewohnt sind, ständig durchzuhalten, die eigenen Grenzen zu übergehen oder sich kaum Ruhe zu erlauben, kann es hilfreich sein, diese Muster näher anzuschauen.
Selbsthypnose und Achtsamkeit erlernen
Mir ist wichtig, dass Sie auch zwischen den Sitzungen Möglichkeiten haben, selbst Einfluss auf Ihr Befinden zu nehmen.
Dazu können Selbsthypnose, Aufmerksamkeitsübungen und ein bewussterer Umgang mit körperlichen Empfindungen gehören.
Kann Hypnose chronische Schmerzen heilen?
Hypnose ist kein Wundermittel.
Bei manchen Menschen lassen sich Schmerzen deutlich beeinflussen. Bei anderen verändert sich vor allem der Umgang mit dem Schmerz, die damit verbundene Angst oder die Belastung im Alltag.
Wie stark eine Verbesserung ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen.
Mein Ziel ist, gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was Ihre Schmerzen beeinflusst und welche Möglichkeiten Sie haben, wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Dabei ist mir Ihre aktive Mitarbeit wichtig. Nicht, weil Sie für Ihre Schmerzen verantwortlich wären, sondern weil Veränderung häufig auch im Alltag eingeübt werden muss.
Für welche Schmerzen kann Hypnose hilfreich sein?
Hypnose kann bei verschiedenen chronischen Schmerzbeschwerden als ergänzendes Verfahren eingesetzt werden, beispielsweise bei bestimmten Formen von:
- Rückenschmerzen und muskulären Schmerzen
- chronischen Kopfschmerzen
- anhaltenden Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen
- Schmerzen im Zusammenhang mit funktionellen Beschwerden
- anderen länger bestehenden Schmerzsyndromen
Ob eine hypnotherapeutische Begleitung für Sie geeignet ist, hängt von der jeweiligen Erkrankung und Ihrer persönlichen Situation ab.
Eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls eine laufende medizinische Behandlung sind Voraussetzung.
Hypnose ersetzt weder eine notwendige medizinische Diagnostik noch eine ärztliche Schmerztherapie.
Hypnose bei chronischen Schmerzen – auch online
Meine therapeutische Arbeit findet überwiegend online statt.
Auch über eine Videoverbindung können wir mit Hypnose, körperlichen Reaktionen, Gefühlen und belastenden Mustern arbeiten.
Wie eine Online-Sitzung abläuft, erfahren Sie auf meiner Seite Hypnose online.
Persönliche Termine sind nach Vereinbarung auch in Bad Vilbel möglich.
Fragen und Termine
Wenn Sie wissen möchten, ob meine Arbeitsweise für Sie geeignet ist, können wir das in einem kostenlosen Erstgespräch besprechen.
Rufen Sie mich an: 0177 4512080
Oder buchen Sie direkt ein kostenloses Erstgespräch.
Sie können mir auch schreiben: birgit at drzottmann.com.
Weitere Informationen zu meiner Arbeitsweise finden Sie auf der Seite Wie wirkt Hypnose?.
Hinweis: Hypnotherapie bei chronischen Schmerzen ist eine ergänzende therapeutische Maßnahme. Sie ersetzt keine medizinische Untersuchung oder Behandlung. Ich stelle keine medizinischen Diagnosen.
