Hypnose & EMDR bei Trauma und Traumafolgestörung

Trauma und Entwicklungstrauma

Wenn Menschen an Trauma denken, denken sie häufig an schwere Unfälle, Gewalt, Missbrauch oder andere dramatische Ereignisse.

In meiner täglichen Arbeit begegne ich jedoch sehr häufig Menschen, deren Belastungen anders entstanden sind.

Sie wurden als Kinder vielleicht nicht geschlagen oder missbraucht. Aber sie wurden mit ihren Gefühlen allein gelassen. Ihre Bedürfnisse wurden nicht wahrgenommen. Eine Bezugsperson war emotional nicht erreichbar, unberechenbar oder selbst überfordert. Vielleicht mussten sie früh funktionieren, Rücksicht nehmen oder Verantwortung übernehmen.

Auch chronische Vernachlässigung, fehlende Sicherheit und wiederholtes Alleingelassenwerden können die Entwicklung eines Kindes tief prägen.

Ein Kind kann eine solche Situation nicht einfach verlassen. Es ist auf seine Bezugspersonen angewiesen. Also passt es sich an.

Und genau aus diesen Anpassungen können Schutzstrategien entstehen, die ein Mensch Jahrzehnte später noch mit sich trägt.

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Ein Entwicklungstrauma entsteht nicht unbedingt durch ein einzelnes überwältigendes Ereignis. Es kann entstehen, wenn ein Kind über längere Zeit Erfahrungen macht, mit denen es emotional allein bleibt und für die ihm Schutz, Sicherheit und Unterstützung fehlen.

Das können Gewalt und Missbrauch sein. Aber auch Erfahrungen, die von außen sehr viel weniger dramatisch erscheinen: emotionale Vernachlässigung, häufiges Alleingelassenwerden, fehlende Zuwendung, Unberechenbarkeit, Beschämung oder das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen keinen Platz zu haben.

Für ein Kind ist die Beziehung zu seinen Bezugspersonen existenziell. Es ist von ihnen abhängig.

Deshalb muss sich das Kind an die Verhältnisse anpassen – nicht die Verhältnisse an das Kind.

Es lernt vielleicht, Stimmungen sehr genau wahrzunehmen. Es versucht, keinen Ärger zu machen. Es wird besonders angepasst oder leistungsorientiert. Es übernimmt früh Verantwortung. Es unterdrückt Wut und Traurigkeit. Es zieht sich zurück oder lernt, möglichst wenig zu brauchen.

Das sind zunächst keine Störungen.

Es sind Lösungen.

Wenn die alten Lösungen bleiben

Das Problem ist, dass diese Lösungen nicht automatisch verschwinden, nur weil wir erwachsen werden.

Der Erwachsene lebt längst in einer anderen Welt. Aber sein Organismus reagiert möglicherweise noch nach Regeln, die sehr viel früher entstanden sind.

Dann kann ein Mensch beruflich ausgesprochen erfolgreich sein und trotzdem ständig unter Spannung stehen. Er kann kaum Nein sagen, braucht Kontrolle, übernimmt zu viel Verantwortung oder fühlt sich für die Stimmung anderer Menschen zuständig.

Andere ziehen sich zurück, wenn Beziehungen schwierig werden. Manche können ihre eigenen Bedürfnisse kaum wahrnehmen. Oder Kritik, Ablehnung und das Gefühl, verlassen zu werden, lösen Reaktionen aus, deren Intensität sie selbst nicht verstehen.

Was einmal geschützt hat, kann später erschöpfen und das eigene Leben erheblich einschränken.

Genau deshalb beschäftige ich mich in meiner Arbeit sehr viel mit Schutzstrategien.

Und was ist ein Trauma?

Ein Trauma kann auch durch ein einzelnes überwältigendes Ereignis entstehen – beispielsweise durch einen schweren Unfall, Gewalt, sexuellen Missbrauch, eine Katastrophe oder eine andere bedrohliche Erfahrung.

In einer Situation, in der Flucht oder Gegenwehr nicht möglich sind, kann ein Mensch extreme Hilflosigkeit und Kontrollverlust erleben.

Auch wenn die Situation längst vorbei ist, können Gefühle und körperliche Reaktionen später wieder aktiviert werden.

Ein Geräusch, ein Geruch, ein bestimmter Ort, eine Berührung oder eine Situation können ausreichen.

Der Verstand weiß vielleicht:

Es ist vorbei.

Und trotzdem reagiert etwas im Menschen, als wäre die Gefahr noch da.

Posttraumatische Belastungsstörung – PTBS

Nicht jeder Mensch entwickelt nach einer traumatischen Erfahrung eine Posttraumatische Belastungsstörung.

Bei einer PTBS können sich Erinnerungen an das Erlebte immer wieder aufdrängen. Es kann zu Flashbacks oder Albträumen kommen. Gleichzeitig versuchen Betroffene häufig, Situationen, Gedanken oder Gefühle zu vermeiden, die mit dem Erlebten verbunden sind.

Hinzu kommen können starke Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit, Schlafprobleme, Reizbarkeit und das Gefühl, ständig auf eine mögliche Gefahr vorbereitet sein zu müssen.

Traumatische Erfahrungen können außerdem Auswirkungen auf Beziehungen, Selbstbild, Vertrauen und die Fähigkeit haben, Gefühle zu regulieren.

Ich habe doch längst verstanden, woher es kommt

Diesen Satz höre ich häufig.

Viele Menschen, die zu mir kommen, haben sich bereits intensiv mit sich beschäftigt. Manche haben Therapieerfahrung. Sie kennen ihre Geschichte und können sehr genau erklären, warum bestimmte Muster entstanden sind.

Und trotzdem reagieren sie immer wieder auf dieselbe Weise.

Das überrascht mich nicht.

Etwas verstanden zu haben bedeutet nicht automatisch, dass wir emotional und körperlich anders reagieren können.

Genau an dieser Stelle setzt meine Arbeit an.

Ich möchte nicht nur wissen, was damals passiert ist. Mich interessiert, was heute noch geschieht.

Was löst eine Reaktion aus? Was fühlen Sie? Was geschieht in Ihrem Körper? Wann beginnen Sie zu kontrollieren, sich anzupassen, zu funktionieren oder sich zurückzuziehen?

Und eine Frage, die ich in meiner Arbeit immer wieder stelle, lautet:

Wie alt ist das, was Sie gerade fühlen?

Wie ich mit Traumafolgen arbeite

Ich arbeite nicht nach einem festen Verfahren und auch nicht nach dem Prinzip, dass wir möglichst viele belastende Erinnerungen aufdecken müssen.

Je nach Mensch und Anliegen verbinde ich Hypnotherapie mit EMDR, der Arbeit mit inneren Anteilen, körperorientierten Zugängen und Achtsamkeit.

Manchmal taucht dabei eine frühere Erfahrung auf. Manchmal ein inneres Bild. Manchmal zunächst nur ein Gefühl oder eine körperliche Reaktion.

Wir arbeiten mit dem, was sich zeigt.

Dabei geht es für mich nicht darum, die Vergangenheit ungeschehen zu machen. Das können wir nicht.

Es geht darum, alte Erfahrungen so zu verarbeiten, dass sie unser heutiges Erleben und Handeln nicht mehr in derselben Weise bestimmen müssen.

Hypnose bei Traumafolgen und Entwicklungstrauma

Hypnose kann einen Zugang zu Gefühlen, inneren Bildern, Erinnerungen und körperlichen Reaktionen ermöglichen, die über das bewusste Verstehen allein häufig schwer erreichbar sind.

Dabei müssen Sie nicht mit geschlossenen Augen in einer tiefen Trance liegen. Ich arbeite auch hypnotisch im Gespräch. Sie können vollkommen wach sein, mit mir sprechen und gleichzeitig sehr intensiv mit dem in Kontakt kommen, was gerade geschieht.

Gerade bei traumatischen Erfahrungen ist mir wichtig, dass nichts erzwungen wird.

Sie behalten die Kontrolle.

Es geht nicht darum, eine belastende Erfahrung möglichst intensiv noch einmal zu erleben. Es geht darum, etwas daran verändern zu können.

Mehr darüber erfahren Sie auf meiner Seite „Wie wirkt Hypnose?“

EMDR, Teilearbeit und Körper

Bei traumatischen Erfahrungen arbeite ich außerdem mit EMDR und mit inneren Anteilen. Auch die Wahrnehmung körperlicher Reaktionen spielt eine wichtige Rolle.

Denn Angst, Anspannung, Erstarrung oder das Bedürfnis zu fliehen sind nicht nur Gedanken.

Sie werden körperlich erlebt.

Deshalb interessiert mich nicht nur, was Sie über Ihre Geschichte wissen, sondern auch, was geschieht, wenn ein altes Muster heute aktiviert wird.

Heilung bedeutet für mich nicht, die Vergangenheit zu vergessen

Die eigene Geschichte gehört zu uns.

Heilung bedeutet für mich deshalb nicht, dass etwas nie geschehen wäre oder dass wir uns an schwierige Erfahrungen nicht mehr erinnern.

Die Vergangenheit darf Vergangenheit werden.

Wir können erkennen, was wir damals gebraucht haben, welche Strategien wir entwickelt haben und welchen Preis wir heute vielleicht dafür bezahlen.

Dann entsteht etwas, das früher möglicherweise nicht vorhanden war:

Wahl.

Ich muss nicht mehr automatisch kontrollieren.
Ich muss mich nicht immer anpassen.
Ich muss nicht ständig funktionieren.
Ich darf Grenzen setzen.
Ich darf fühlen, was ich fühle.

Die alten Schutzstrategien müssen nicht bekämpft werden. Sie hatten einmal einen Sinn.

Aber wir können überprüfen, ob wir sie heute noch brauchen.


Termine sind in Frankfurt oder online möglich.

Rufen Sie mich einfach an: 0049177 4512080
oder buchen Sie direkt ein kostenloses Erstgespräch.

Sie können mir auch schreiben: birgit at drzottmann.com.